Glutenfrei-Kennzeichnung in der Schweiz: Der Guide für Hersteller

Veröffentlicht: 22. September 2026

Warum korrekte Kennzeichnung lebenswichtig ist

Für Lebensmittelhersteller in der Schweiz gelten klare Vorschriften bei der Kennzeichnung von glutenfreien Produkten. Dieser Beitrag erklärt die rechtlichen Grundlagen für korrekte Angaben auf Verpackungen, Etiketten und im Webshop, von der Laboranalyse bis zur Zertifizierung.

Die gesetzlichen Grenzwerte einfach erklärt

In der Schweiz gibt es klare Vorgaben für Gluten-Kennzeichnungen:

Glutenfrei

  • Erlaubt bei: ≤ 20 mg Gluten pro kg Lebensmittel
  • Gilt für alle Produkte beim Verkauf an Konsumentinnen und Konsumenten
  • Die Angabe „Glutenfrei“ ist ein freiwilliger Hinweis (keine obligatorische Angabe auf einem Lebensmittel)

Sehr geringer Glutengehalt

  • Erlaubt bei: ≤ 100 mg Gluten pro kg Lebensmittel
  • Voraussetzung: Das Lebensmittel enthält Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer (oder Kreuzungen dieser Getreidearten) und diese wurden speziell zur Reduzierung des Glutengehaltes verarbeitet
  • Wichtige Ausnahme für Hafer: Hafer darf auch bei der Angabe „sehr geringer Glutengehalt“ höchstens 20 mg Gluten pro kg enthalten. Bei Hafer gibt es also kein Unterschied zu „glutenfrei“.

Spurendeklaration: Warum sie so wichtig ist

Gluten kann unabsichtlich in ein Lebensmittel gelangen. Dies zum Beispiel, weil in deiner Produktionsstätte auch glutenhaltige Lebensmittel verarbeitet werden oder weil es über eine Zutat ins Lebensmittel kommt. In diesem Fall müssen Lebensmittelhersteller abwägen, ob es einen zusätzlichen Hinweis nach dem Zutatenverzeichnis braucht.

Angaben zu möglicher Verunreinigung eines Lebensmittels mit einer glutenfreien Rezeptur sind für Personen, die sich strikt glutenfrei ernähren müssen, äusserst wichtig. Selbst Lebensmittel mit nur Spuren von Gluten können problematisch sein. Eine transparente Kommunikation schützt deine Kundinnen und Kunden und baut Vertrauen auf.

Weitere Infos findest du in unserem Blogbeitrag zum Thema „Spurendeklaration bei Lebensmitteln“.

Wann musst du Gluten kennzeichnen?

In der Schweiz gilt folgende Regelung:

VerkaufsartSituationVorgabe
vorverpacktes Lebensmittelglutenhaltiges Getreide in der Rezeptur enthaltenZutat in Zutatenliste besonders hervorheben
Offenverkauf (Bäckerei, Take-away, Restaurant, Foodtruck usw.)glutenhaltiges Getreide in der Rezeptur enthaltenmündliche Auskunft
vorverpacktes LebensmittelSpurendeklarationSpurendeklaration Pflicht bei zu erwartendem Gehalt über 200 mg/kg oder Liter
vorverpacktes LebensmittelSpurendeklarationSpurendeklaration freiwillig bei zu erwartendem Gehalt unter 200 mg/kg oder Liter

Auch wenn du unter der Pflichtgrenze liegst, solltest du alle möglichen Massnahmen treffen, um Verunreinigungen zu vermeiden. Das braucht ständige Achtsamkeit und gute Selbstkontrolle.
Weitere Infos findest du in unserem Blogbeitrag zum Thema „Allergene in Lebensmittel kennzeichnen.

Selbstkontrollpflicht & Laboranalysen

Du solltest belegen können, dass deine Produkte tatsächlich «glutenfrei» oder mit «geringem Glutengehalt» sind. Im Rahmen der gesetzlichen Selbstkontrollpflicht sind Laboranalysen in den meisten Fällen empfehlenswert.

Wann kannst du auf Analysen verzichten?

Nur wenn beide Bedingungen erfüllt sind:

  • Von jedem einzelnen Rohstoff liegt eine Bestätigung vor, dass die Anforderungen entsprechen
  • Im Betrieb selbst werden gar keine glutenhaltigen Lebensmittel verarbeitet

In diesem Fall können Laboranalysen auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Praktische Realität

Jede Charge zu analysieren, können sich wahrscheinlich nur wenige Firmen leisten, meist nur grössere Produktionsbetriebe, die industriell herstellen. Deshalb ist es entscheidend, dass du deine Prozesse genau kennst, bevor du entsprechende Kennzeichnungen auf deinem Lebensmittel platzierst.

Private Siegel und Labels

Neben den gesetzlichen Vorschriften gibt es in der Schweiz zwei wichtige private Kennzeichnungen.

Die durchgestrichene Ähre

Die durchgestrichene Ähre im Kreis ist ein privatrechtliches Label für glutenfreie Lebensmittel. Du darfst das Label nicht einfach auf deinem Produkt verwenden, wenn du nicht berechtigt bist.

Was ist das Glutenfrei-Symbol?

Das Glutenfrei-Symbol wird für verarbeitete und verpackte Lebensmittel vergeben, bei welchen der Glutengehalt maximal 20 mg pro kg Lebensmittel beträgt. Damit entspricht es dem Grenzwert für «glutenfrei».

Lizenzierung und Zertifizierung

Um das Glutenfrei-Symbol zu verwenden, musst du bestimmte Kriterien einhalten und deine Produkte lizenzieren lassen. Eine Zertifizierung ist Voraussetzung für die Nutzung des Symbols. Die Zertifizierung umfasst in der Regel regelmässige Audits durch den Lizenzgeber.

Verwaltung in der Schweiz

In der Schweiz hat die IG Zöliakie der Deutschen Schweiz alle Verwendungsrechte für die durchgestrichene Ähre.

Anforderungen für neue Produkte

Damit ein neues Lebensmittel mit der durchgestrichenen Ähre lizenziert wird, brauchst du unter anderem:

  • Glutenanalyse von einem akkreditierten Labor
  • Nachweis, dass dein Lebensmittel glutenfrei ist
  • Einhaltung der Lizenzierungsbedingungen
  • Zertifizierung durch den Lizenzgeber
  • Regelmässige Audits während der Lizenzlaufzeit

Das Allergie-Gütesiegel

In der Schweiz können glutenfreie Lebensmittel auch ein Allergie-Gütesiegel tragen, das von aha! Allergiezentrum Schweiz empfohlen wird.

Wer vergibt das Siegel?

Das Allergie-Gütesiegel wird durch den Service  Allergie Suisse (SAS) vergeben. Mit diesem Siegel können unter anderem andere allergenfreie Lebensmittel oder Gastronomiebetriebe zertifiziert werden.

Wie funktioniert die Zertifizierung?

Bei der Zertifizierung werden die Herstellungsbetriebe nach strengen Auflagen geprüft. Externe Prüfstellen führen Kontrollen vor Ort während des Zertifizierungsprozesses durch.

Checkliste für deine Lebensmittel

Bevor du mit Gluten-Kennzeichnungen startest:

  1. Überlege gut, ob du eine solche Angabe überhaupt machen kannst
  2. Kenne deine Prozesse genau und dokumentiere sie
  3. Sichere Rohstoffe durch Lieferantenbestätigungen
  4. Vermeide Kreuzkontamination durch strikte Trennung
  5. Analysiere regelmässig, nach Möglichkeit jede Charge
  6. Bereite dich auf Beanstandungen vor, falls Grenzwerte überschritten werden

Fazit

Die korrekte Kennzeichnung von Gluten ist kein reines Formal-Thema, sie betrifft direkt die Gesundheit deiner Kundinnen und Kunden. Mit klaren, gesicherten Angaben sorgst du nicht nur für rechtliche Sicherheit, sondern baust auch Vertrauen auf.

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